CRR III und der Output Floor: Mehr Kapital, mehr Kredit?
Der Output Floor setzt den Ergebnissen interner Modelle eine Untergrenze auf Basis des Standardansatzes. Auch wenn der Übergang bis 2032 schrittweise erfolgt, ist die Wirkung auf Portfolio- und Preisentscheidungen bereits heute spürbar.
Im Rahmen des EU Banking Package gilt der Großteil von CRR III und CRD VI seit dem 1. Januar 2025 (Beginn des neuen Rahmens). Eines der meistdiskutierten Elemente der Reform ist der Output Floor. Ziel ist es, die Unterschiede bei der Kapitalberechnung zwischen Banken mit internen ratingbasierten Modellen und Banken mit Standardansatz zu begrenzen und die modellbedingte RWA-Volatilität zu verringern.
Wie funktioniert der Output Floor?
Im Basel-Rahmenwerk verhindert der Output Floor, dass die von einer Bank mit internem Modell berechneten risikogewichteten Aktiva unter einen bestimmten Anteil des nach Standardansatz berechneten Betrags fallen. Das endgültige Basel-Niveau liegt bei 72,5 %. In der EU werden Übergangsregelungen schrittweise angewendet, und das volle Niveau wird erst 2032 erreicht.
RWA = max(RWA nach internem Modell, RWA nach Standardansatz × Übergangsquote)
Diese Formel bestimmt für sich allein nicht den Kreditpreis; sie ist jedoch einer der wichtigen Faktoren, die den Kapitalverbrauch des Kreditportfolios und damit dessen wirtschaftliche Rentabilität beeinflussen.
Warum ist das für den Kreditkunden wichtig?
Auch wenn sich das Kreditrisiko eines Unternehmens nicht ändert, kann sich die Methode der Bank zur Messung und Kapitalunterlegung dieses Risikos ändern. Das Ergebnis kann eine Änderung der Kreditmarge, der Sicherheitenanforderung, der Laufzeitpräferenz oder der Produktstruktur sein. Deshalb kommt die Antwort auf die Frage „Unser Risiko ist gleich geblieben, warum ändert sich der Preis?“ im Bank-Kunden-Gespräch manchmal nicht vom Leitzins, sondern von Regulierung und Kapitalkosten.
| Kreditmerkmal | Mögliche Auswirkung auf Kapital/Preis | Was das Unternehmen tun kann |
|---|---|---|
| Starke Sicherheit | Kann im Standardansatz die Risikominderung erhöhen | Wert, Liquidität und rechtliche Qualität der Sicherheit dokumentieren |
| Lange Laufzeit | Kann Kapital- und Refinanzierungskosten erhöhen | Laufzeit an den Investitionsrückfluss anpassen |
| Schwache finanzielle Transparenz | Kann zu vorsichtigerer Risikobewertung führen | Monatliches Management-Reporting und Szenarioanalyse vorlegen |
| Abhängigkeit von einer Bank | Erhöht das Refinanzierungsrisiko | Bank-/Produkt-/Laufzeitdiversifikation vornehmen |
Vier Umsetzungsrisiken für Banken
- Fehler bei der Datenklassifizierung und lückenhafte Datenherkunft in der RWA-Berechnung.
- Die Produktpreisgestaltung spiegelt den aktualisierten Kapitalverbrauch nicht schnell genug wider.
- Der Unterschied zwischen internem Modell und Standardansatz wird vom Management nicht ausreichend verstanden.
- Die Auswirkungen der Übergangsphase werden nicht gemeinsam in Budget, Kapitalplan und Kundenstrategie übernommen.
Worauf sollte der CFO der Realwirtschaft achten?
Änderungen der Kreditkonditionen sollten nicht nur mit dem Leitzins begründet werden. Auch Kapitalkosten der Bank, Risikoappetit, Portfoliokonzentration und regulatorische Anforderungen beeinflussen den Preis. Das stärkste Verhandlungsinstrument des CFO ist nicht die Forderung „ich will einen niedrigeren Zins“, sondern die Verringerung der Unsicherheit in der Kreditakte der Bank: verlässlicher Cashflow, Schuldendienstfähigkeit, Sicherheitenqualität, Vertragsdisziplin und ein realistisches Stressszenario.
Die eigentliche Wirkung von CRR III ist die engere Verknüpfung von Kapital und Geschäftsmodell. Deshalb werden Kreditentscheidungen für Banken wie Unternehmenskunden zunehmend im Dreieck aus „Risiko + Kapital + Rendite“ geformt.
Offizielle Quellen und weiterführende Informationen
- European Commission — Prudential requirements (CRR III / CRD VI)
- ECB Banking Supervision — Supervisory priorities 2026–2028
Erstgespräch →