Ausgangslage
Nach Artikel 79 des türkischen Gesetzes über den Einzug öffentlicher Forderungen werden im Auftrag der Finanzämter erlassene Pfändungsbescheide den Banken elektronisch zugestellt, und die Banken müssen elektronisch antworten. Es ist ein Prozess mit hohem Volumen und geringer Fehlertoleranz. Manuell bearbeitet, entstehen zwei Risiken: die gesetzliche Frist zu versäumen und das falsche Konto zu sperren. Beides sind unmittelbare Compliance-Risiken.
Vorgehen
- Empfang, Zuordnung und Beantwortung elektronisch zugestellter Pfändungsbescheide wurden durchgängig automatisiert.
- Die Übereinstimmung von Bescheid- und Antwortinhalt mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Format wurde unter systemische Kontrolle gestellt.
- Der Umfang der gepfändeten beweglichen Sachen, Rechte und Forderungen wurde im Prozess definiert.
- Die Einhaltung der gesetzlichen Antwortfrist wechselte von individueller Nachverfolgung zur Systemüberwachung.
Ergebnis
- Die Einhaltung gesetzlicher Fristen hing nicht mehr an Personen, sondern war systemisch abgesichert.
- Die manuelle Arbeitslast eines Prozesses mit hohem Volumen wurde weitgehend beseitigt.
- Das Risiko einer falschen Sperre durch fehlerhafte Zuordnung sank.
- Gesetzesänderungen in den Prozess zu übernehmen wurde von einer einzigen Stelle aus möglich.
Diese Fallstudie beschreibt das Projekt über seinen Umfang und sein Vorgehen. Kundenname, kommerzielle Zahlen und Leistungskennzahlen bleiben aufgrund von Vertraulichkeitspflichten ungenannt.
Was dieses Projekt hinterlassen hat
Compliance-Risiko entsteht in der Regel nicht aus schlechter Absicht, sondern aus Volumen. Wo eine hundertfach täglich wiederholte Pflicht manuell erledigt wird, ist der Fehler keine Möglichkeit, sondern eine Frage der Zeit. Deshalb werden in der internen Revision Prozesse mit hohem Volumen und geringer Fehlertoleranz als vorrangige Prüffelder gewählt.
- Interne Revision — Unabhängige Bewertung, ob interne Prozesse regulatorischen Vorgaben und ihren Zielen entsprechen.